Seit Akte X wissen wir: Der Tag, an dem sich alles ändern wird, steht längst fest. Außerirdische operieren seit Jahrzehnten auf der Erde, und das Katalogisieren der gesamten Menschheit ist nur eine ihrer zahlreichen Umtriebigkeiten. Trent Reznor aka Nine Inch Nails ist sich zwar über den genauen Tag nicht ganz sicher, doch immerhin glaubt er das Jahr zu kennen, in dem sich alles verändern wird: 2022.
Leser von MORPHOGENESIS und LORD GAMMA wissen, dass mich die Musik der Nine Inch Nails schon etwas länger begleitet * und ich in Texten gerne das eine oder andere Reznor-Zitat verstecke. Und es gab Leser-Feedback von NIN-Fans, die u.a. tatsächlich alle drei Zitate in LORD GAMMA gefunden haben ...
SF-Leser und Cineasten werden die Jahreszahl 2022 in erster Linie natürlich nicht unbedingt mit Industrial-Rock und Hegemonie verbinden, sondern mit dem Film Soylent Green (dt. Untertitel: Jahr 2022 ... die überleben wollen). In seiner Romanvorlage MAKE ROOM! MAKE ROOM! von 1966 hatte der Schriftsteller Harry Harrison das Szenario allerdings noch im Jahr 1999 angesiedelt.
YEAR ZERO prangert jedoch keine Überbevölkerung oder gar Kannibalismus an, sondern markiert mit dem Jahr 2022 den Punkt einer neuen Zeitrechnung, an dem ein despotisches Regime in den USA die Macht übernimmt. Zugleich versorgt es die Bevölkerung mit dem vermeintlich immunstärkenden Mittel Perepin, um bioterroristischen Akten vorzubeugen – oder um die Menschen womöglich nur ruhig zu stellen?
Über ein verschachteltes Netz von NIN-Minisites (die angeblich aus der Zukunft, dem besagtem Jahr Null, kommen sollen) erreicht man über diverse Links zu verstörenden Sound- und Videofiles (die natürlich ebenfalls aus der Zukunft stammen – John Carpenters Fürsten der Dunkelheit lassen grüßen!) die Symphony of Noise- Tracksite, wo man sich nach kürzlich erfolgtem Update inzwischen fünf Songs des neuen Albums als MP3-Files herunterladen kann (und darf, wohlgemerkt!). Unter den freigeschalteten Tracks befindet sich das grandiose „My violent heart“ sowie die kommende Single „Survivalism“. Doch auch die anderen drei Songs „Me, I’m not“, "The beginning of the end" und „In this twilight“ lassen erahnen, dass es nach der eher gemäßigten WITH TEETH wieder Noise-Ohrenfutter im Stil von THE DOWNWARD SPIRAL oder der überragenden THE FRAGILE geben wird. Am Ende der Symphony of Noise-Site findet man zudem Links, die zu weiteren YEAR ZERO-Seiten führen – wie etwa iamtryingtobelieve.com, anotherversionofthetruth.com oder 105theairbornecrusaders.com ... Ich wünsche viel Spaß beim Aufdecken zukünftiger Verschwörungen. Falls diverse Texte unkenntlich (gemacht) sein sollten, mein Tipp: markieren ...
Das gesamte apokalyptisch-konspirative Was-wäre-wenn?- Zukunftsszenario von YEAR ZERO hier wiederzugeben, würde mich einen ganzen Tag kosten, daher verweise ich einfach mal auf einen relativ aktuellen NIN-Artikel bei laut.de, der die gesamte Komplexität und Ideologie von YEAR ZERO zusammenfasst.
Honni soit, qui mal y pense …
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* Im Wikipedia-Eintrag zu Nine Inch Nails wird Trent Reznor bezüglich der Bedeutung des Bandnamens mit den Worten zitiert: „Er hat keine wirkliche Bedeutung. Er schien irgendwie beängstigend.“ Daher eine kleine Anmerkung, die gerne als „gepflegte Legende“ aufgegriffen wird: Neun Inch lang (umgerechnet 22,86 cm) waren die Eisen-Nägel, mit denen die Römer auf dem Berg Golgotha vermeintliche Delinquenten (also nicht allein Jesus) an Kreuze geschlagen haben sollen. Die meisten Kreuzigungsnägel waren jedoch „nur“ zwischen 17,5 und 19,5 cm lang – also etwa sieben Inch bis knapp acht Inch. Zugegenben, Nine Inch Nails kling wesentlich cooler als Seven Inch Nails oder Nearly Eight Inch Nails ... ;-)
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