Antiviren-Tools sind klasse. In den Optionen einfach nur "Prozesse und Boot Sektoren durchsuchen und automatisch reparieren" anklicken, Tool starten, und gesund wird der PC. Dumm nur, wenn man sich dank metallverstärkter Handgelenksmanschette verklickt und statt "on virus detection repair" die Option "on virus detection delete" aktiviert. Das macht das Tool dann auch brav. So geschehen Ende November. Dumm auch, wenn sich irgendetwas Seltsames ausgerechnet im Boot-Sektor eingenistet hat. Denn was macht der "bereinigte" PC dann beim Neustart? Richtig, gar nix mehr ... mea culpa ...
Nun also nach langer Funkstille wieder ein Lebenszeichen. Es war wirklich keine Schreibfaulheit, die mich vom PANORAMA ferngehalten hat, sondern mehr eine Form von Informationsüberdruss und intensiver Kommunikationsmüdigkeit. Mir erschien es wichtiger, meine Energie in ein neues Projekt zu lenken, statt das nach wie vor lädierte Handgelenk in Blogs, Foren oder hier im Journal zu zerschreddern. Nun, kurz vor Jahresende, doch noch ein erstes Aufatmen und Entspannen. Nicht allein, weil mir gestern mit einem Anruf, auf den ich sage und schreibe seit August (!) gewartet (oder besser gesagt: gehofft) habe, ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk auf den Anrufbeantworter geflattert ist, sondern weil ich (ebenfalls gestern) zudem eine magische Grenze überschritten habe.
Ich möchte nicht nachzählen, wie oft ich in den vergangenen zwei Monaten in Mails und Telefonaten Fragen wie „Was ist den los?“ oder „Was machst du eigentlich gerade?“ beantwortet habe. Nun, nach der Sommerpause tat sich nicht viel. Als sich dann etwas tat, hatte ich keine Lust, über halbgare Sachen zu plaudern, und dann war es irgendwann so viel, dass ich nicht mehr wusste, wo ich anfangen sollte. Daher werde ich in den kommenden zwei, drei Wochen zumindest die spruchreifen Neuigkeiten posten. Weniger in den NEWS, dazu gibt es noch zuviel Theorie und zu wenig Konkretes, aber hier im PANORAMA. Vielleicht als Zyklus: Produktionsskizzen # 1-10, oder so.
Über das angesprochene Projekt, an dem ich momentan sitze, habe ich zumeist keinen kompletten Überblick. Das soll nicht heißen, dass ich keine Ahnung hätte, was ich da gerade tue, sondern dass es in mehrere Einzeldokumente aufgeteilt ist – die sich, um es vorwegzunehmen, irgendwann zu einem Episodenroman zusammenfügen werden, dessen einzelne Abschnitte in einem Zeitraum von 100 Jahren angesiedelt sind. Auch dazu in Kürze mehr. Seit Anfang der 1970er Jahre gelten aufgrund der Regeln für den Verleih des Hugo Gernsback- und des Nebula-Awards folgende Richtlinien: als Kurzgeschichte (Short Story) gelten alle erzählenden Texte unter 7.500 Wörtern. Eine Erzählung (Novelette) umfasst 7.500 bis 17.500 Wörter und eine Novelle (Novella) 17.500 bis 40.000 Wörter. Alle Texte über 40.000 Wörter zählen als Roman (Novel).
Nun, nachdem ich die bisher bestehenden Episoden und Episodenfragmente zusammengerechnet habe, konnte ich erfreut feststellen, dass der Roman seit gestern – zumindest zahlentechnisch – als solcher betrachtet werden kann. Derzeit liegt seine Länge bei rund 46.000 Wörtern – oder anders ausgedrückt: Ich habe Manuskriptseite 200 erreicht. Natürlich ist das ein wenig Augenwischerei, weil er ja noch einer großen Baustelle gleicht, aber es ist beruhigend zu sehen, dass ich fast die Hälfte des Buches geschafft habe.
Eigentlich wurde mir Ende Oktober von Arztseite her bis Jahresende "Arbeitsverbot" erteilt, nachdem der Befund bei einer Nervdurchmessung des rechten Arms und Handgelenks negativ ausgefallen war. Ein zu enger Nervenkanal (der Karpaltunnel) verursacht die seit Jahren immer wiederkehrende Entzündung der Nerven also auch nicht. Schade eigentlich, denn der lateinische Name des Karpaltunnelsyndroms hätte in Laienohren zu meinem derzeitigen Arbeitsrhythmus gepasst: brachialgia paraesthetica nocturna (spaßeshalber zu übersetzen in: Autor schreibt vorwiegend nachts und mit Gewalt).
Das „Durchmessen der Nerven“ ist übrigens auch eine sehr "angenehme" Sache. Dabei wird dem Patienten (also mir) eine 10 cm lange Nadel von der Handkante bis in die Mitte der Hand durchs Fleisch geschoben, um anschließend minutenlang immer stärkere Stromstöße durch den Arm zu jagen. Lecker. Langer Rede kurzer Sinn: Ich dürfte eigentlich gar nicht tippen (rechtes Handgelenk liegt wie erwähnt auch in Stützmanschette). Ich tue es zwar trotzdem, aber mehr mit der linken Hand. Mit der rechten (bzw. dem kleinen Finger der rechten) kann ich immerhin die Taste zum Groß-Kleinschreiben drücken (was bei Antiviren-Tool NICHT klappt).
Brachialgia nocturna ... ;-)
Willkommen auf der PANORAMA-Kolonie von Michael Marrak
A PARALLAX VIEW * ist Weblog, Babelfisch-Aquarium, Tagebuch oder Online-Journal, was auch immer. Es ist nicht unbedingt schöner als das Original, aber dafür praktischer. Sofern es mir alle Knebelverträge, Geheimhaltungsvereinbarungen, Verschwiegenheitspflichten und sonstigen Diskretionen erlauben, gibt es hier Einblicke hinter die Kulissen von Buchmarkt, Schriftstellerei, Illustration, Computerspiel-Entwicklung, Phantastik-Szene und den allgemeinen Wahnsinn in diesem Spiralarm.
—— Stay tuned! ——
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Dienstag, Dezember 20, 2005
Brachialgia nocturna
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2 Kommentare:
hat das projekt was mit "gaia" zu tun?
Nope. Das ist wieder was anderes ... Es entstehen zwei neue Romane parallel. Allerdings war "Gaia" auch nur ein kurz mal aus dem Ärmel geschüttelter Titel, der halbwegs zum Inhalt des anderen Romans gepasst hätte, ähnlich wie "Abydos". "Gaia" selbst erinnert mich inzwischen doch zu sehr an den Film "Back to Gaya", daher werde ich diesen Titel in Zukunft auch nicht mehr verwenden.
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