Willkommen auf der PANORAMA-Kolonie von Michael Marrak

A PARALLAX VIEW * ist Weblog, Babelfisch-Aquarium, Tagebuch oder Online-Journal, was auch immer. Es ist nicht unbedingt schöner als das Original, aber dafür praktischer. Sofern es mir alle Knebelverträge, Geheimhaltungsvereinbarungen, Verschwiegenheitspflichten und sonstigen Diskretionen erlauben, gibt es hier Einblicke hinter die Kulissen von Buchmarkt, Schriftstellerei, Illustration, Computerspiel-Entwicklung, Phantastik-Szene und den allgemeinen Wahnsinn in diesem Spiralarm.
—— Stay tuned! ——

_____________________________________________________

Freitag, Oktober 07, 2005

Six Days in Berlin

Vergangenen Samstag feierte die Berliner UFO-Buchhandlung mit einer kleinen, feuchtfröhlichen Party ihr siebenjähriges Jubiläum - für mich ein willkommener Anlass, um ein paar Tage den eigenen vier Wänden zu entkommen, Freunde zu besuchen, alte Bekannte zu treffen und neue Gesichter zu sehen. Zu letzteren gehören die Autoren Tobias O. Meißner und Markolf Hoffmann, zwei sympathische Zeitgenossen, die ich im Verlauf der Jubiläumsparty kennen lernen durfte - wobei unsereins gegenüber den Kollegen erst von der UFO-Crew "enttarnt" werden musste. Der Satz "Ach du bist das!" fiel auffallend oft. Unter anderem, nachdem ich unwissentlich Markolf Hoffmann gefragt hatte, ob er Markolf Hoffmann kennen würde ...

Sonntags einen der zahlreichen Flohmärkte Berlins zu besuchen, gehört fast schon zum Pflichtprogramm. Zumeist bin ich auf der Suche nach alten SF-Devotionalien oder Raumfahrtbüchern, die vor 1965 erschienen sind (und im Idealfall einen unterhaltsam illustrierten "Ausblick auf die Zukunft der Raumfahrt" beinhalten). Vergangenes Wochenende fiel mein Blick indes auf ein schweres, altes Buch mit rotem Einband, das halb versteckt unter einem Stapel historischer Fotos platziert war. Ich las den Titel, dann den Namen des Illustrators und konnte nicht anders, als es in die Hand zu nehmen und vorsichtig aufzuschlagen: vergilbte Seiten, Frakturschrift, der Geruch von altem Papier. Ich blickte auf eine ganzseitige, detailverliebte Radierung, umrahmt von Jugendstilverzierungen.
"Wieviel wollen Sie dafür?", fragte ich den Händler rein aus Interesse, bereits ahnend, dass der Band wahrscheinlich unverantwortbar teuer sein würde.
Es folgte die befürchtete Gegenfrage: "Wieviel würden Sie denn bieten?"
Um die Situation ein wenig aufzulockern, machte ich einen Ebay-Startgebot-Witz (1 Euro), was mein Gegenüber "höflich aber bestimmt" ablehnte.
Also Phase zwei: Zielloses Blättern in geschichtsträchtigen Seiten, um das Buch zumindest gut in Erinnerung zu behalten, in der Gewissheit, wenigstens darin geschmökert zu haben. Da der Besitzer erwartungsvoll dreinschaut, murmle ich (unter Zuhilfenahme eines ratlosen Gesichtsausdrucks) doch noch ein völlig verwegenes Angebot: "Zwanzig Euro?"
Ich hatte erwartet, dass mein Gegenüber abermals amüsiert auflachen, den Kopf schütteln und abwinken würde. Statt dessen schwieg er und blickte das Buch in meinen Händen an. "Sind Sie Liebhaber?", fragte er. "Mir gefallen die Illustrationen", wich ich aus. Er nickte, schwieg wieder eine Weile und sagte schließlich: "Okay."

Kurz darauf war ich stolzer Besitzer der 800-seitigen Jubiläums-Prachtausgabe von "Don Quijote" aus dem Jahr 1905, illustriert mit 120 zumeist ganzseitigen Radierungen von Gustav Doré.

Für zwanzig Euro …

Ha!

1 Kommentare:

MEMORIAL hat gesagt…

Du hättest meinen Aufschrei hören soll! Wie geil! Boah, wie geil! Und von den Fotos her sieht es noch verdammt gut aus! Was für ein Schatz!
Gruß, Nicole